„Es ist die wichtigste Kunst des Lehrers,

die Freude am Schaffen und

am Erkennen zu wecken.“

    Albert Einstein

Das Gymnasium Tolkewitz ist eine junge, dynamische Schule im Aufbau. Vieles muss gleichzeitig gedacht, geplant, durchgeführt und entwickelt werden. Dazu bedarf es eines engagierten Teams aus Lehrern, Eltern und Schülern. Für uns gibt es nicht den idealen Weg, sondern einen ‚bunten‘ Teppich aus Möglichkeiten zur erfolgreichen Zielerreichung. Dieser wird sich, wenn der Aufbau des Gymnasiums beendet ist, zu einem Bild formen, dem unserer Schule.

Uns liegt am Herzen

 

Wir leben in einer sich rasant verändernden Welt voller Umbrüche. Neben den gesellschaftlichen Veränderungen bringt die, durch Digitalisierung ermöglichte, Vernetzung der Welt eine nie dagewesene Komplexität und Diversität mit sich. Die damit verbundenen Möglichkeiten sind für jeden Einzelnen nahezu grenzenlos, aber auch mit einer permanenten Notwendigkeit verbunden, eigene Entscheidungen zu treffen.

Auf diese immer globaler werdende und vernetzte Welt mit all ihren Herausforderungen müssen wir unsere Lernenden vorbereiten. Wir wollen unsere Schüler*innen in ihrer Entwicklung individuell unterstützen und ihnen das Handwerkszeug für die Zukunft mitgeben. Mit einem positiven Selbstbild sollen sie sich ständig wechselnden neuen Anforderungen stellen und diese sachgerecht bewältigen können.

Was bedeutet bei uns Lernen?

 

Unsere Kinder sollen und können an unserer Schule

  • voneinander und miteinander lernen,

  • lernen, wie man lernt, und sich damit Grundlagen für einen lebenslangen Lernprozess schaffen,

  • lernen, mit Neuem umzugehen und mutig Verantwortung zu übernehmen,

  • sich vielfältiges Wissen aneignen und neugierig die Welt erforschen,

  • ihre individuellen Fähigkeiten entdecken und entwickeln sowie wichtige Kompetenzen erwerben.

     

Dabei stehen die Lehrkräfte unterstützend an ihrer Seite:

  • Wir trauen unseren Kindern etwas zu.

  • Wir muten unseren Kindern etwas zu.

  • Wir geben unsere ganze Kraft dafür, dass sie erleben, wie es ist, erfolgreich zu sein.

  • Wir unterstützen sie auf ihren eigenen Wegen.

 

Sich mit Arbeitsplänen zu strukturieren und in der Phase des Selbst regulierten Lernens (SrL) eigenständig zu arbeiten, gehört bei uns genauso dazu, wie an eigenen Projekten selbstständig zu arbeiten und dem Fachunterricht in einer Klassenstruktur zu folgen. Fehler machen, Scheitern erleben, nicht aufgeben, sondern weiter fragen, um Hilfe bitten, sich selbst organisieren und Lösungen finden, das bedeutet Lernen bei uns.

Die Stadt Dresden bietet uns unzählige Möglichkeiten, unterschiedliche Lernorte zu nutzen. Wann immer es möglich und vertretbar ist, nutzen wir diese. Ob Theater, Semperoper, Bibliothek, der Bäcker um die Ecke, Museen oder unsere Eltern, wir freuen uns über all diese Angebote.

Worin zeigt sich für uns der Bildungserfolg unserer Schüler*innen?

 

Unsere Schüler*innen

  • übernehmen selbstbewusst Verantwortung für ihr Lernen,

  • verfügen über ein solides, vielfältiges und strukturiertes Fachwissen, welches sie in neuen Kontexten flexibel anwenden können,

  • können ihre methodischen Kompetenzen zielsicher einsetzen,

  • erkennen ihre individuellen Stärken und agieren auf der Grundlage eines Wertesystems, das ein gesamtgesellschaftliches Miteinander fördert.

Wie sieht die Tages-/ Wochengestaltung bei uns aus?

 

Eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für die Lernenden ist es, ihr Lernen selbst zu organisieren. Aus diesem Grund haben wir diese wichtige Unterrichtseinheit des Selbst regulierten Lernens (SrL) für die Klassenstufen 5 und 6 an den Tagesbeginn gelegt.

Die Lernenden erhalten in der 60-minütigen SrL-Einheit Aufgaben aus den Bereichen Deutsch, Englisch und Mathe-matik. Hinzu kommen unterschiedliche Inhalte aus anderen Fächern, welche wir thematisch zu „Wissen, Werte, Competencia“ (WWC) zusammen-fassen. Ergänzt ist dieses Angebot durch Sport. Im Anschluss daran beginnt der Fachunterricht im Klassenverband. Diesen Unterricht haben wir über-wiegend in Doppelstunden organisiert. Die Lernenden sollen sich auf die Fachinhalte einlassen können und nicht ständig in diesem Prozess durch den Fach- und Raumwechsel gestört werden.

In der Klassenstufe 7 haben wir uns im SrL für ein Blockmodell entschieden. Hier arbeiten die Schüler*innen in einer Einheit von 135 Minuten an bestimmten Projekten. Im ersten Halbjahr erhalten die Schüler*innen das notwendige Hand-werkszeug für die Bearbeitung von eigenen kleinen Projekten. Dies wird in Kleingruppen in einem ‚Mini‘-projekt geübt.

Im zweiten Halbjahr verfolgen die Schüler*innen ihr eigenes Projekt. Dazu können auch außerschulische Lernorte genutzt werden. Begleitet werden sie dabei von Lehrer*innen der Schule und externen Betreuern. Der Fachunterricht erfolgt dann wieder im Klassenverband.

In unserem Modell haben die Schüler*innen wöchentlich Unterrichtseinheiten mit unterschiedlichen Freiheitsgraden und Verantwortlichkeiten. Unser Ziel ist, die Eigenverantwortlichkeit der Schüler*innen zu stärken, welche auch eine wichtige Grundlage für den Fachunterricht ist. Zur Begleitung dieser Lernwege haben wir ein Lernjournal entwickelt, in dem die Lernenden ihr Lern- und Arbeitsverhalten reflektieren.

In die Mittagszeit, in der man sich nicht ganz so gut konzentrieren kann, haben wir eine 45- minütige Pause gelegt. Im Anschluss daran findet eine weitere Unterrichtseinheit statt. Im Nachmittagsbereich liegen wir zahlreiche Ganztagsangebote (GTA).

Durch diesen ausgewogenen Aktivitätswechsel schaffen wir Phasen der Spannung und Entspannung. Nach Möglichkeit versuchen wir die Lern- und Leistungsphasen voneinander zu trennen. Das Wiederholen von Unterrichtsstoff und das Einüben von Arbeitsroutinen sind im Schulalltag fest verankert (z.B. in der Phase des selbstregulierten Lernens). Schulisches Lernen und Freizeit werden, soweit es sinnvoll und möglich ist, voneinander getrennt (Hausaufgabenkonzept).

Warum ist uns ‚SRL‘ so wichtig?

Wir möchten unsere Schüler*innen im Laufe ihrer Schulzeit immer mehr befähigen, selbstständig zu lernen. Aus diesem Grund vermitteln wir ihnen Konzepte und geben ihnen Strategien an die Hand, damit sie schrittweise die Entscheidungsspielräume verantwortungsbewusst nutzen.

Wir möchten Menschen ausbilden, welche eigenständig Probleme erkennen, Lösungswege erarbeiten, dabei zu einem begründeten Urteil gelangen und sich für deren Umsetzung engagieren.

Wir gehen davon aus, dass dem Menschen eine immanente intrinsische Motivation eigen ist, wahrgenommene neue Informationen mit bereits bekannten Informationen in Einklang zu bringen. Ständig konstruiert er Bedeutungszusammenhänge aufgenommener Informationen aufgrund erlebter Erfahrungen. Dabei unterliegt das vorhandene Wissen einer ständigen Verfeinerung durch Integration neuer Informationen. Für uns gilt das Prinzip: „Understanding is never final“. Der Lernende ist ständig auf der Suche nach einem Gleichgewicht zwischen vorhanden und neu erworbenen Informationen.

Aus der Lernpsychologie wissen wir, dass das aufgenommene Wissen immer abhängig ist von dem Vorwissen, den persönlichen Erfahrungen und vom kognitiven Entwicklungsstand des Lernenden. Vygotsky (1962) unterscheidet dabei zwischen Tätigkeiten, welche die Lernenden (1) allein bewerkstelligen können und (2) bei denen Hilfe anderer notwendig ist.

Im Lernprozess ist es unbedingt erforderlich, dass die Lernenden ihre intrinsische Motivation nutzen, um sich bewusst mit den Ursachen des Lernerfolgs oder der gemachten Fehler auseinanderzusetzen. Erst diese Prozesse führen zum Aufbau von persönlichen Theorien wie Selbstkompetenz, Anstrengungsbereitschaft, eigenen Lernstrategien und einem positiven Umgang mit gestellten Aufgaben. Aufgaben werden in der Schule häufig von den Schülern als Arbeit verstanden, welche möglichst schnell erledigt werden muss. Darunter leidet jedoch die bewusste Auseinandersetzung mit der Aufgabe. Wir müssen unseren Lernenden beibringen, bewusster mit Aufgaben umzugehen: Dazu gehört die Entwicklung einer positiven Fehlerkultur. Aus heutiger Sicht bilden Fehler einen wichtigen Bestandteil im Lernprozess. Sie bewirken eine Reflexion der Aufgabe, des gewählten Lösungsweges und des dazu notwendigen Wissens. Wir versuchen diesen Reflexionsprozess mit einem Lernjournal zu begleiten.

Fazit für unsere Arbeit

 

Selbstständig lernen zu können ist für jeden Lernenden ein unerlässlicher, aber auch anstrengender Prozess, welcher schrittweise erlernt werden muss. Der Prozess kann allerdings nur erfolgreich durchlaufen werden, wenn sich Lernende bewusst selbst als aktiv handelnde und kompetente Entscheider begreifen. Dabei müssen die Lernenden Selbstwirksamkeit erfahren und Kompetenzen zur Selbstbeobachtung, Selbstbeurteilung und Selbstregulation besitzen.

Unsere Aufgabe als Lehrende ist es, die Lernenden schrittweise beim Aufbau eines positiven „Selbstsystems“ durch entsprechende Lernarrangements zu unterstützen. Phasen des selbstständigen Lernens in den Fachunterricht einzubauen, ist eine sinnvolle, ja notwendige Ergänzung, kann das SrL in der von uns etablierten und ständig weiterentwickelten Form jedoch nicht ersetzen. Wir müssen den Lernenden auch metakognitive Strategien vermitteln, damit sie sich effektiv als selbstständige Lerner wahrnehmen und entsprechend handeln können.