Es ist immer eine große Freude, wenn man von anderen Menschen lernen kann. Mit Erasmus plus können unserer Kolleg*innen vielfältige Erfahrungen in Europa sammeln. In der letzten Woche hatte ich die Gelegenheit, das isländische Schulsystem und das Land näher kennenzulernen.
Die Insel befindet sich im Nordatlantik, gehört politisch zu Europa, geographisch teilweise auch zu Nord-Amerika. Viele aktive Vulkane sind auf der Insel zu finden.
Der Staat Island kann als jung bezeichnet werden. Am 17. Juni 1944 wurde die Republik ausgerufen.
Gemeinsam mit 120 Lehrer*innen aus 16 Ländern Europas konnte ich unterschiedliche Schulen und die Universität besuchen. Kommuniziert wurde in englischer Sprache. Neben den Schulbesuchen erfolgte selbstverständlich auch ein Austausch über Bildung im jeweiligen Heimatland. Viele Anregungen für die eigene Arbeit im Gepäck trat ich den Weg zurück nach Dresden an.
„Everybody counts“ und „Nobody left behind“ sind Grundsätze, welche die isländische Schule prägen.
Betritt man eine Schule in Island, fällt auf, dass zwischen den Schüler*innen und Lehrer*innen eine Beziehung gepflegt wird, welche von großer Wertschätzung zeugt. Brüllen, schreien, kreischen, drängeln, schubsen, ... konnte ich nicht beobachten. Während der Pausen trafen sich die Lehrer*innen in einem freundlichen Lehrerzimmer, sprachen bei einem Kaffee miteinander und hatten für unsere Fragen ein offenes Ohr.
Während der Unterrichtszeit stehen die Türen der meisten Klassenräume offen. Die Lernenden arbeiten einzeln, in kleinen Gruppen im (oder vor dem) Zimmer. Lehrer*innen sind immer präsent, beraten die Schüler*innen in ihrem Lernprozess und sind somit Begleiter des Prozesses. Aufgaben zur Differenzierung finden die Schüler*innen beispielsweise unter der Tafel. So entscheiden die Schüler*innen selbst, welche Niveaustufe der Aufgaben sie bearbeiten wollen.
Interaktive Tafeln habe ich keine gesehen. Die Ausstattung der Klassenzimmer ist geprägt von Einzelarbeitstischen für die Schüler, welche schnell unterschiedlich angeordnet werden können, einem Lehrerarbeitsplatz mit Rechner und einem Beamer zur Präsentation. Laptops und Tablets gibt es in verschiedenen Räumen in ausreichender Anzahl. Diese und auch eigene Handys können die Schüler*innen zu jeder Zeit benutzen – was sie auch oft (nicht immer zu schulischen Inhalten) taten. Aber auch hier wird auf die Eigenverantwortung der Lernenden gesetzt, jeder ist für seinen Lernprozess selbst verantwortlich.
Das Verständnis der Eigenverantwortung für den Lernprozess ist für mich ein Grundprinzip, welches für alle Schüler*innen gelten muss. Die Aufgabe für uns als Lehrer*innen sollte es sein, unsere Schüler*innen zu befähigen, ihren Lernprozess zu planen, durchzuführen und zu evaluieren. Ein wertschätzender Umgang miteinander ist dafür eine wesentliche Voraussetzung.